Gymnasium "Julius Motteler"

Unter dem langen Schatten des Kreistagsbeschlusses des Kreises Zwickauer Land vom 13.6.2002 zur Schulnetzplanung im Landkreis fand am 17.9.2002 um 19:30 im Theater Crimmitschau eine Festveranstaltung anläßlich der 10-jährigen Wiedergründung des Crimmitschauer Gymnasiums statt.

Das Festprogramm sah Ansprachen des Schulleiters Michael Leistner, des Kreisrates Peter Zippel und des Landrates Christian Otto, Kulturbeiträge von Lehrern wie Schülern und eine Präsentation der neuen Multimedia-CD vor. Der Schulsong "Lindenstraße" wurde uraufgeführt, das neue Maskottchen "Julius, die Motte" bekanntgemacht.

Der Schulleiter konnte in seiner Ansprache seinen bekannten, hier nicht so gut empfundenen, Ausspruch von der familiären Atmosphäre am JMG nicht auslassen. Er verwies auf die hochwertigen Fremdsprachenzertifikate in englischer, französischer und russischer Sprache hin, welche in Crimmitschau erworben werden können, wie er meinte in dieser Konzentration sachsenweit einmalig. Er berichtete vom weiteren Ausbau des Gymnasiums als geistig-kulturelles Zentrum für die Stadt und den erfolgreichen Schülerfirmen.

Der Kreisrat Ulrich Wolf entschuldigte seinen Kollegen Peter Zippel, welcher nicht in der Stadt weile. Er trug dessen Grußwort vor: Man hätte 1992 nicht mit dem enormen Rückgang der Schülerzahlen gerechnet, dies aber 1996 erkannt, am 27.6.96 den Crimmitschauer Schulnetzplan verabschiedet, welcher sich bewährt habe, nun durch übergeordnete Behörden (es kann hier wohl nur der Schulnetzplan vom 13.6.2002 gemeint worden sein) hinsichtlich des Gymnasialstandortes nachteilig verändert worden sei. Es wurde philisophiert, was zu tun sei, ein eigenständiges Gymnasium zu erhalten. Es wurde von weinenden Bürgermeistern berichtet, wenn -mit eigenem Geld derer Kommunen, Fördermittel gäbe es dann nicht- gut ausgebaute Schulen hätten geschlossen werden müssen. Peter Zippel wolle jedoch weiterhin alles tun, das eigenständige Gymnasium zu erhalten (war schon vorher mehrfach betont worden, auch in Zeitungsberichten. Auch der Landtagsabgeornete Hamburger hatte sich in diesem Sinne einzusetzen versprochen). Herr Ulrich Wolf berichtete (wohl weiter namens seines Kollegen Peter Zippel, Grußwortverlesung und eigene Worte gerieten nach dem Geschmack des Berichterstatters, der sich täuschen kann, wohl etwas durcheinander) von Ratschlägen, was zu tun sei. So meinten die Einen, man müsse seine politischen Beziehungen spielen lassen, andere ... . Peter Zippel würdigte nach den Aussagen des Herrn Wolf insbesondere das Engagement des Schulfördervereines unter Leitung Dr. Seidels für den Erhalt des eigenständigen Gymnasiums, wünschte der Veranstaltung einen guten Verlauf, würde auf eine Einladung zum 20.Jahrestag in 10 Jahren hoffen.

Der Landrat betonte, die 1867 gegründete Höhere Bürgerschule habe, wie ihre Nachfolger, die Entwicklung der Stadt befördert. Durch die gymnasiale Ausbildung hätten der sich entwickelnden Wirtschaft wichtige Fachkräfte zur Verfügung gestanden. Die Ausbildung zur Hochschulreife in Crimmitschau sei 1982 diktatorisch beendet worden. Sein Dezernent Karl Weiß und er würden sich politisch für den Erhalt des selbständigen Gymnasiums einsetzen. "Die gymnasiale Ausbildung gehört zu Crimmitschau". Ein deutlicheres Bekenntnis dürfte kaum möglich sein. Herr Weiß und er seien jedoch nicht die "Entscheidungsträger". Die eigentliche Entscheidung falle höheren Ortes. Der Landrat berichtete noch von den gestiegenen Chancen des Volksbegehrens, in dessen Ergebnis eine zeitweise Zweizügigkeit Gesetz werden würde. Weiterhin bereite die CDU-Fraktion, wie er gehört habe, eine neue Schulnetzplanung vor, einen "Gegenentwurf" zur bestehenden SchulnetzVO (des Staatsministers für Kultus Dr. Mathias Rößler vom 02.10.2001, d. Verfasser), welcher den selbständigen Fortbestand der Gymnasien in Werdau und Crimmitschau auf Dauer sichern würde. Die Zuhörer spürten, daß dem Herrn Landrat Christian Otto nichts lieber wäre, als der Fortbestand aller bestehenden Gymnasien in seinem Landkreis. Die Lacher hatte der Landrat mit der Bemerkung auf seiner Seite, in zehn Jahren (vgl. oben) dann aber nicht mehr als Landrat zu fungieren zu gedenken. Er würde aber vielleicht im Auditorium sitzen. Der Landrat erklärte, vom Kreistag beauftragt zu sein, sich gegenüber der Landesregierung für den Erhalt des Crimmitschauer Gymnasiums einzusetzen, ein Termin in Dresden stehe noch aus.

Schließlich rief der Vorsitzende des Fördervereines Dr. Seidel aus, er wolle nicht wieder ohnmächtig einer Schließung zusehen. Jede Idee beim Kampf um den Bestand des selbständigen Gymnasiums sei willkommen.

Das Spiel der Theatergruppe band den Namengeber Julius Motteler ein, welcher sich für die Arbeiter eingesetzt und zeitens des Textilarbeiterstreikes gewirkt habe. Hier ist eine kleine Ergänzung/Kritik an den Lehrern angebracht. So hat sich Julius Motteler insbesondere auch frühzeitig gegen die, zu seiner Zeit allgegenwärtige, Kinderarbeit gewandt. "Rettet die Jugend aus dem Bann der leiblichen und geistigen Verkümmerung" forderte er 1872 in Crimmitschau (27.1. im Odeon). In einer Reichstagsrede 1878 (vgl. Link "Motteler") stritt er für ein Beschäftigungsverbot für Kinder unter 14 Jahren, eine Begrenzung der Arbeitszeit 14-16-jähriger auf täglich 6 Stunden und ein Verbot der Nachtarbeit für Jugendliche. Dies sollte heutigen Jugendlichen dieser Altersgruppe schon vermittelt werden. So sein Kampf für die Rechte der Frauen (Clara Zetkin: ...einer der frühesten und treuesten Verteidiger der Frauenrechte.). Gerade bei einem Mädchenanteil der Gymnasiasten über 50 % sollte die Entwicklung der Stellung der Frau vom, meist nicht erwähnten, Anhängsel des Mannes bis zu ihrer, wenigstens erst einmal formalen, Gleichberechtigung (Wahlrecht erst ab 1918 unter SPD-Regierung) besonders herausgearbeitet werden. Eine Würdigung Mottelers in einer Zeitung seiner Geburtsstadt Esslingen/Neckar finden Sie hier.

Die Esslinger Zeitung betont Mottelers treue Verteidigung der Frauenrechte. Im Jahre 1903 war er bereits 65 Jahre alt und Abgeordneter des Reichstages. Sein Lebenswerk wie seine menschliche Art sollten näher beleuchtet werden. Wegen der, von Motteler kritisierten, undemokratischen Redeordnung im Reichstag, hatte er dort jedoch nicht zum Textilarbeiterstreik sprechen können. Das hat August Bebel übernommen, die Rede soll künftig auf dieser Webseite anderen Ortes zur Gänze wiedergegeben werden.

Wie verhält es sich nun mit dem Schulnetzplan vom 13.6.2002 ?

Er wurde im Kreistag mit 25 Jastimmen zu 18 Neinstimmen (bei 7 Enthaltungen) angenommen. Das macht 50 von 58 Kreisräten, 8 fehlten.

Der Beschluß sieht mittelfristig im Kreis Zwickauer Land die bisherigen Gymnasien in Crimmitschau, Werdau, Wilkau-Haßlau und Kirchberg vor.

Langfristig, ab Schuljahr 2007/2008, heißt es neben und nach Kirchberg und Wilkau-Haßlau: "Werdau/Crimmitschau als vierzügiges gemeinsames Gymnasium nach dem Modell einer Schule in zwei Häusern unter Anwendung der Ausnahmeregelung entsprechend § 5 Abs. 2 Schulnetz-VO." Zur Begründung werden von 2002/03 bis 2011/12 durchschnittlich erwartete 227 Schüler im LK angegeben, durch welche bei einem Richtwert zur Klassenbildung von 25 Schülern 9 Gymnasialklassen pro Klassenstufe gebildet werden könnten (9x25=225). Demzufolge seien langfristig 3 Gymnasien im LK vorgesehen (3 x 3 Klassen=9, davon aber 4 [?] "Werdau/Crimmitschau"). Der "Richtwert" wird in der SchulnetzVO als "landesweit umzusetzende durchschnittliche Klassengröße" definiert. Zum Schulnetzplan wurde das, wegen § 3 I Punkt 5. erforderliche, gemeindliche (Schulträger) Einvernehmen hergestellt, außer mit Crinitzberg und Werdau (betrifft Mittelschulen in Obercrinitz und Werdau-Ost). Vgl. das Austauschblatt 193 des der Vorlage/des Beschlusses Schulnetzplan.

Fehler, die (nach Meinung des Autors) zu der mißlichen Situation für den Bestand des selbständigen Gymnasiums in Crimmitschau führten und natürlich schnellstens korrigiert werden sollten (eine Auswahl):

  1. In Bad Lausick und Geithain wurde im August 2002 nach Berichten in der LVZ (Kreisseite Geithain vom 25/26.5.2002, Seite 29) um die Schülerzahl zur Bildung einer zweiten fünften Klasse gerungen. Dort reicht also offenbar bereits jetzt Zweizügigkeit die Existenz zu behaupten ! Mithin muß es also dort Ausnahmeregelungen oder jeweils eine "vertiefte" Ausbildung (vgl. Kirchberg) geben. Nach der Schulordnung Gymnasien SOGY, § 4 a, existieren derer vier:
    1. vertiefte musische Ausbildung
    2. vertiefte mathematisch-naturwissenschaftliche Ausbildung
    3. vertiefte sportliche Ausbildung
    4. vertiefte sprachliche Ausbildung
    Trotz der betonten guten Arbeit des Gymnasiums, 1996 erkannter Brisanz und VIER derartiger Möglichkeiten wurde in Crimmitschau keine "vertiefte" Ausbildung (das Abitur ist dann aber das gleiche !) anerkannt. Lag das am fehlendem Bemühen, wie könnte das jetzt noch geschafft werden ? Es gibt doch Beweise, was man sachsenweit am besten beherrscht ! Ist der Weg nach Kirchberg (Bad Lausick, Geithain), sich über die Schritte einer erfolgreichen Anerkennung zu informieren, zu weit ? Sollte man den Landrat um Vermittlung eines Termines im Gymnasium Kirchberg bitten ? Wie kann eine Scheu, Hilfe anzunehmen, überwunden werden ? So in Bad Lausick, Geithain oder anderswo "weitere" Ausnahmeregelungen (§ 5 II Satz 2 SchulnetzVO / SächsGVBl Nr. 13/2001, S.672) gelten, sollten die erwähnten Peter Zippel'schen (vgl. oben) "politischen Beziehungen" schon genutzt werden. Jetzt ist der Ernstfall, worauf wollen die Herren noch warten ? Oder sollten die Einlassungen zu "Beziehungen" überdecken, daß man über keinerlei solche verfügt, nirgends Gewicht hat ?

  2. Das Gewicht, welches die Anzahl der einzuschulenden Gymnasiasten spielen würde, wurde nicht erkannt. Es wurde nicht um (jeden) Schüler gerungen. Nach der am 11.6.02 veröffentlichten Ausschreibung des Schülerverkehrs lernen inzwischen (bis 8) Crimmitschauer Schüler in Kirchberg, das darf keine Einbahnstraße bleiben. Es erfolgte nur eine spärliche Werbung bei möglichen Schülern, eine Internatsunterbringung wird überhaupt nicht angeboten. Während vor fünf Jahren Schüler aus Langenhessen ab Gasthof Dinter ans Crimmitschauer Gymnasium fuhren, geht die Reise jetzt schon ab dem Grünen Tal Richtung Werdau. Es wurde versäumt, über Generationen bestehende Traditionen zu erhalten. Umgekehrt wurden keine Schüler aus Dennheritz gewonnen. Der Einzugsbereich des Kirchberger Gymnasiums umfaßt etwa die dreifache Anzahl von Orten. Zwickauer lernen überhaupt nicht in Crimmitschau. Bei Lehrlingen (FAB) scheint das anders zu sein, müssen diese Busse halb leer fahren ? Wichtig sind die Kosten, wer hat zugelassen, daß Werdau und Crimmitschau beim Verkehrsverbund Mittelsachsen durch verschiedene Tarifzonen getrennt wurden ? Das Fernbleiben der Langhessener ist u. a. darin begründet. Es fehlen in Crimmitschau Arbeitsstellen. Damit Schüler, die von ihren Eltern früh mit zur Schule nach hier gebracht werden.

  3. In Crimmitschau herrscht der zweitgrößte Bevölkerungsrückgang von -9,8 % (nach Kirchberg -14,6 !!) im Landkreis (-4,1 %). Hier ansehen (über das letzte Jahr und alphabetischen Ausweis den gewünschten Ort besehen). Das muß und wird mit der Wahl eines neuen OB, auch im Interesse der Entwicklung des Landkreises, geändert werden. Die Lage an der 6-streifig ausgebauten Autobahn A 4 und nahe dem Zentrum Deutschlands wurde nicht genutzt, Fototermine, exemplarisch in Form einer Brötchenverkostung bei einem Bäcker in der Leipziger Straße ("Betriebsbesuch"), wurden als Wirtschaftsförderung mißverstanden. Ohne massive Neuansiedlungen keine weiteren Arbeitsplätze, abwandernde Jugendliche und nicht genügend Schüler. Weiterhin wurden und werden Leute regelrecht zum Abwandern animiert. Als Ortschaftsrat in Langenreinsdorf wurde mir glaubhaft berichtet, die Tochter eines Bürgers hätte kein Eigenheim auf dessen Grundstück bauen dürfen, dieses hätte "zwei Meter im Außenbereich" gelegen, wäre daher abgelehnt worden. Diese wohne nun nicht mehr hier (in Werdau wird dagegen eine Abrundungssatzung nach der anderen beschlossen, werden EFH ins Überflutungsgebiet der Pleiße gebaut). Am 10.9.02 wurde in einer Wahlversammlung Dr. Luthers u.a. mit MP Georg Milbradt und dem Kreisräten Zippel und Wolf stolz berichtet, die CWG habe im Vorjahr etwa 200 Wohnungen, dieses Jahr schon 20 "vom Markt genommen", nun müsse man schon versuchen, durch Verschlechterung des Umfeldes Mieter zum Freizug weiterer (wohl abzureißender) Wohnungen zu bewegen. Es werden nunmehr also nicht mehr nur unbewohnbare Ruinen plattgemacht. Der Langenbernsdorfer Bürgermeister Joachim Bär hatte sich etwas abseits gesetzt. Wird er gedacht haben, nur zu, ein paar Leute davon werden hoffentlich zu uns kommen ? Auch ein paar Gymnasiasten ? Jedenfalls ist auch Thüringen nicht weit von Crimmitschau. Gängeln kann die Stadtverwaltung Crimmitschaus nur wenige ganz Getreue. Niemand muß heutzutage ernstlich freiwillig das künstlich verschlechterte Umfeld in Crimmitschau ertragen

  4. Zur Schulnetzplanung vom 13.6.02 des Landkreises Zwickauer Land wurde (Austauschblatt 193) das gemeindliche Einvernehmen (außer mit Crinitzberg und Werdau) hergestellt. Damit also auch mit Crimmitschau. Das heißt m.a.W., auch Crimmitschau, zuständig für die Vertretung einer sächsischen Gemeinde nach außen wäre der Oberbürgermeister (§ 51 I Satz 2 SächsGemO / SächsGVBl. Nr. 13/1999, S. 345 ff.), hat dem Schulnetzplan zugestimmt !!! Damit gab Crimmitschau dem Sterben des Julius-Motteler-Gymnasiums (zunächst in der jetzigen selbständigen Form) auf Raten ungeachtet anderslautender öffentlicher Bekundungen bereits seinen Segen !!! Anders als in Crinitzberg und Werdau, wo man zu seiner abweichenden Meinung stand, das gemeindlichen Einvernehmen in Übereinstimmung mit den eigenen Interessen verweigerte, so dem übergeorneten Regierungspräsidium eine bestehende Differenz signalisierte, laufen in Crimmitschau öffentliche Bekundungen des Herrn Zippel und das Verwaltungshandeln diametral auseinander. Auch der, hoffentlich bald zu wählende, neue Oberbürgermeister wird mit dieser, einmal aufgenommenen, schweren Hypothek zu kämpfen haben. Wenn der Schulnetzplan in spätestens fünf Jahren (§ 7 I Satz 1 SchulnetzVO) fortgeschrieben wird, wird man uns an das Peter Zippel'sche Einvernehmen aus 2002 erinnern. Der, zugegeben mangels vernünftiger Alternativen fast zwangsläufige, Fehler bei der Oberbürgermeisterwahl vom 26.6.1994 darf sich nicht wiederholen ! Ein Bürgermeister, welcher nicht mit Leidenschaft für die Entwicklung seines Ortes kämpft, nützt keiner Gemeinde. Durch Verzicht auf, mitunter kleine, Rechte konnte noch keiner Gemeinde geholfen werden. Mit dem Einvernehmen der Stadt zur Schließung ihres eigenständigen Gymnasiums trotz anderslautender offizieller Verlautbarungen dürfte Crimmitschau tatsächlich die, stets erwünschte, besondere, einmalige Stellung in Sachsen sicher sein. Kein Kundiger einer anderen Stadt, wird sich das Lachen verkneifen können. Die Notwendigkeit, die Schulnetzpläne im Benehmen mit den Kommunen aufzustellen, wird in der Beschlußvorlage des Fachbereiches 4 vom 28.5.2002 in den Gründen hervorgehoben.

  5. Anders, als den Unterzentren Wilkau-Haßlau und Kirchberg, stehen Werdau und Crimmitschau als MITTELZENTREN nach dem Landesentwicklungsplan (SächsGVBl. 1994, S. 1489 ff. / "LEP") in Verbindung mit § 2 II der Schulnetzplanungsverordnung (SächsGVBl. 2001, S. 672 ff. / SchulnetzVO) meines Erachtens selbständige Gymnasien zu. Wenn die deutsche Sprache noch einen Sinn haben soll, kann "Mindestverfügbarkeit nach Landesentwicklungsplan (LEP)" nichts anderes bedeuten, als daß mindestens in den im Kreuzungspunkt dieser Spalte mit der Zeile "Gymnasium" (ausdrücklich Einzahl) aufgeführten Zentren (wenigstens) ein Gymnasium verfügbar sein muß. Und im Kreuzungspunkt steht: Oberzentren, Mittelzentren, ausgewählte Unterzentren. Ober- und Mittelzentren steht also gesetzlich wenigstens ein Gymnasium zu. Und Mindestverfügbarkeit als Spaltenüberschrift hat eine deutlich stärkere Bestimmtheit als der Begriff "Richtwerte für die Klassenbildung", welcher lediglich als "landesweit umzusetzende durchschnittliche Klassengröße" definiert wird, im Landesdurchschnitt herauskommen soll. Eben ein Richtwert (ein Ziel), kein Muß an jedem einzelnen Gymnasium. UND: Crimmitschau wie Werdau sind im Landesentwicklungsplan (SächsGVBl. 1994, Ziffer 1.4.11.1. auf der Seite 1495, rechts oben) als Mittelzentren ausgewiesen. Zurecht selbständig als Mittelzentren. Nicht wie etwa "Mylau - Netschkau - Reichenbach" zusammen unter "Städteverbund" als ein Mittelzentrum bezeichnet. Soweit diese Einstufung Werdaus wie Crimmitschaus als (selbständige) Mittelzentren nicht aufgehoben wurde, stehen beiden Städten, jedenfalls nach dem Verständnis eines durchschnittlich gebildeten Menschen, per Gesetz selbständige Gymnasien zu. Unabhängig von den anderen Spalten der Anlage zu § 2 II SchulnetzVO. Das Gesetz kann m. E. nicht durch Gymnasien in Unterzentren, welche Schüler aus den Mittelzentren abwerben, unterlaufen werden. Jedenfalls nicht gegen den Widerstand der Mittelzentren (an dem es aber fehlte, das gemeindliche Einvernehmen wurde erteilt). Es reicht nicht, in Sonntagsreden das eigenständige Gymnasium zu fordern, Crimmitschau muß die Einhaltung der Gesetzesvorgaben überwachen. Das Fachbereich 4 könnte hier etwas übersehen haben. Melden muß sich der Belastete schon selbst. In diesem wichtigen Falle bereits bei der entferntesten Möglichkeit einer, offenbar so gar nicht erkannten, Benachteiligung.

  6. Die Thüringer Nachbarkreise erkennen keine "Gastschulverhältnisse" an, würden keine "Gastschulbeiträge" bezahlen. Das sei im Thüringer Schulfinanzierungsgesetz geregelt. Der Autor hat sich mit diesen Begriffen bislang nicht beschäftigt. Wenn das aber, zeitens wurde über die Gymnasiastenströme zwischen Mainz und Wiesbaden berichtet, eine einseitige alleinige Thüringer Sparmaßnahme zulasten der Bildungsmöglichkeiten Thüringer Schüler sein sollte, ist Sachsen (ggf. mit Bundeshilfe) gefragt, auf Änderung des Thüringer Schulfinanzierunsgesetzes zu drängen. Sachsen, weil nicht sein kann, daß es umgekehrt solche Beiträge für sächsische Schüler in Thüringen bezahlt, wie ich hoffe. Der Bund, weil deutschen Schülern, im letzten Jahr ohnehin als bildungsseitig benachteiligt erkannt, keine Ausbildungsmöglichkeiten durch innere Landesgrenzen erschwert werden dürfen. Unabhängig davon, ob es sich bei der Behandlung eigener Schüler im Falle eines Schulbesuches im Nachbarland beim Thüringer Schulfinanzierungsgesetz um die Spitzfindigkeit von Politikern eines Bergvolkes handelt oder noch andere Bundesländer solche Regelungen pflegen, diese müssen (bundesweit) schnellstens abgeschafft werden. Eine Überprüfung sei angeregt, handeln müssen die Verantwortlichen der benachteiligten "Grenz"regionen. By the way: Wie lange wollen wir noch fünf Ostbundesländer ertragen. Zumindest alle Bewohner der 1990 künstlich wiedererzeugten "Grenzregionen" müssen für eine Vereinheitlichung kämpfen. Die Nachteile der Grenzlage für Crimmitschau können wir nicht ewig aushalten. Der Bundesrepublik beigetreten ist 1990, nur zur Erinnerung, die damalige DDR, nicht Sachsen, Thüringen, ... .

  7. BAUSTELLE

ANMERKUNG

Noch vor Fertigstellung dieser Seite (das leidige Zeitproblem !) erschien in der örtlichen Zeitung "Freie Presse" am 1.11.02 ein Leserbrief des hier als stellvertretender Vorsitzender des Kreiselternrates zeichnenden Herrn RA Wolf-Dietrich Pryssok. Der Kreiselternrat rufe hernach alle Wahlberechtigten zur Unterschrift beim Volksbegehren "Zukunft braucht Schule" auf (Hier ansehen !). Dem Aufgeschriebenen kann bis auf einen Punkt zugestimmt werden. Der eine, hier entscheidende, Punkt betrifft den letzten Absatz des Leserbriefes und eben das Gymnasium "Julius Motteler" zu Crimmitschau, in dessen Förderverein RA Wolf-Dietrich Pryssok wirkt.

Sei es aus Unkenntnis oder aus Neigung, die Ausführungen des Herrn Pryssok zum Beschluß zur Schulnetzplanung des Landkreises Zwickauer Land entsprechen nicht den Tatsachen. Das ist äußerst bedauerlich. Entweder liegt der Beschluß Herrn Pryssok nicht vor (dann muß er ihn im Landratsamt oder bei der bisherigen Vorsitzenden des Kreiselternrates Cornelia Bretschneider (die dessen jedenfalls nicht ablehnende Stellungnahme unter dem 08.5.02 unterschrieb !) anfordern oder seinen Leserbrief korrigieren.

Die Gymnasien Crimmitschau und Werdau sollen ihre Eigenständigkeit nach der Schulnetzplanung eben gerade nicht behalten. Jedenfalls nach dem Schulnetzplan vom 13.6.2002 ab dem Schuljahr 2007/2008 nicht. Wo soll im Schulnetzplan etwas anderes stehen ?

Die Erhaltung der selbständigen Gymnasien in Werdau und Crimmitschau, selbst bereits nach der Dr. Rößler'schen VO in Mittelzentren ohnehin gesetzlich als "Mindestverfügbarkeit" für diese Städte gesichert, wird vom Schulnetzplan vom 13.6.02 abgeschafft, anstatt festgeschrieben. Der Plan hat das Gesetz, die Dr. Rößlersche VO, übersehen, setzt sich über deren Vorgaben hinweg !

Das Kultusministerium muß, das selbständige Gymnasium in Crimmitschau zu schließen, die Schulnetzplanung vom 13.6.02 nicht verändern (höchstens, um der VO Geltung zu verschaffen den Erhalt der selbständigen Gymnasien fordern, wird aber wohl niemand machen, wenn selbst die Betroffenen bereits genickt haben). Der aktuelle Plan beabsichtigt bereits, eines der selbständigen Gymnasien in Werdau oder Crimmitschau (ahnen wir, welches ?) abzuschaffen. So das auch der Wunsch des Kultusministeriums wäre, brauchte es die Zustimmung keineswegs zu verweigern. Der Leserbrief gibt in diesem Punkt einen, hier geteilten, Wunsch wider, hat leider mit der Realität des Schulnetzplanes nichts zu tun. Bedingt durch die Reputation seines Schreibers und damit verbundener Glaubwürdigkeit der Darstellung bei den Lesern ist er der Sache nicht dienlich.

Anmerkung zur Anmerkung: Um eine eindeutige Stellungnahme in der vom Gesetz zu fordernden Form dürfte es sich allerdings beim Schreiben des Kreiselternrates vom 8.5.02 auch nicht handeln.


VOLLTREFFER

Als VOLLTREFFER erwies sich der obenstehende Hinweis zum Recht der MITTELZENTREN CRIMMITSCHAU UND WERDAU auf eigenständige Gymnasien. Sei es allein durch den Hinweis auf dieser Internetseite, sei es durch Hinweise an einzelne Kreisräte verschiedener Parteien oder gegenüber einem Mitglied des Kreiselternrates, sei es ...wie in der "Freien Presse" vom 30.11./01.12.02 begründet:

Dem Kreistag vom 5.12.02 wird (nach dem Zeitungsbericht) ein "Ergänzungsbeschluss zur Schulnetzplanung" vorgelegt werden. Es würde voraussichtlich eine Änderung der Schulnetzplanung, die der Kreistag (erst) auf seiner Sitzung vom 14.6.2002 beschlossen habe, dergestalt erfolgen, daß sowohl das Gymnasium Werdau wie das in Crimmitschau mittel- und langfristig als eigenständige Standorte erhalten bleiben. Unter Berufung auf den Beigeordneten des Landrates Karl Weiß vermeldet die genannte Zeitung, der Landkreis wolle damit "...für die zu erwartende Änderung des Schulgesetzes im Freistaat gewappnet sein."

Das sind neue Töne. Es entsteht der Eindruck, der Kreistag solle den Schulnetzplan im Hinblick auf eine mögliche Gesetzesänderung, also wohl entgegen der aktuellen Gesetzeslage, ändern. Das würde, verallgemeinert, völlig neue Perspektiven eröffnen. Planungen aufgrund möglicherweise einmal sächsisches Recht werdender Entwürfe (unterschiedlicher Entscheidungsreife) !

Keine Angst, dem Kreistag wird damit kein der gesetzlichen Grundlage entbehrender Schulnetzplan vorgelegt werden, wie oben herausgearbeitet, stehen den Mittelzentren des Landkreises selbständige Gymnasien bereits nach der Rößler'schen Verordnung, lange vor dem 13.6.02, zu. Der mißratene Plan vom 13.6.02 soll korrigiert werden. Das ist in Ordnung und hier allein wichtig.

Eine Berichtigung nicht als solche anzuerkennen, ist eine leider nicht seltene Unart. Gerade im Zusammenhang mit Schulen auch kein Vorbild für die Jugend. Und wegen der Hilfskonstruktion "künftiges Gesetz" auch nicht sonderlich gelungen.

Wie bekannt, liegt der Entwurf der Bürgerinitiative "Zukunft braucht Schule" (vgl LINKS) schon seit dem Vorjahr vor, ist von einem Gegenentwurf der sächsischen CDU-Fraktion gegen das Gesetz der von ihr gebildeten Landesregierung (MdL Colditz) wenigstens seit Februar 2002 die Rede (ohne das ein konkreter Entwurf vorliegt oder gar in den Landtag eingebracht worden wäre). Wo liegen die entscheidenden Änderungen der Ausgangslage seit dem 13.6.02 ? Im, erwarteten, Unterliegen Iltgens vor dem Verfassungsgerichtshof ?

Nebenbei: Vorsicht im Umgang mit den Presseveröffentlichungen. Aus dem zitierten Artikel erscheinen mir etwa folgende "Tatsachen" als fraglich bis falsch: Schulnetzplan am 14.6.02 beschlossen (richtig wohl am 13. der Autor war mit Teilen des SPD-Ortsvereines Crimmitschau vor Ort, plakatiertes Motto "Für den Erhalt der Gymnasien in Werdau und Crimmitschau"- wohl nicht ganz umsonst dagewesen). Weiter: Landkreis als Träger der Einrichtungen (Gymnasien in Crimmitschau und Werdau (wohl vor wie nach die Städte Schulträger). Weiter: ...im September gegründete sächsische Bürgerinitiative "Zukunft braucht Schule" (in welchem September, jedenfalls nicht 2002, da hatten wir schon in Leipzig gegen Landtagspräsident Iltgen [CDU] gewonnen). Weiter: CDU-Entwurf könnte Landtag passieren (wer hat ihn schon einmal gesehen, müßte er nicht vorher eingebracht werden ?). Schließlich: Stimmen die Sachsen für den CDU-Entwurf, ...(könnte der, bislang wohl nicht eingebrachte, Entwurf den Landtag passieren oder wird er "den Sachsen" in einer Volksabstimmung vorgelegt ? Beides, in benachbarten Absätzen, geht nicht; wie denn nun ?)

30. November 2002


"Gymnasien sicher"

In einem redaktionellen Artikel des PLEISSENTAL-BLICK vom 11.12.02 ist zu lesen, die Gymnasien in Werdau und Crimmitschau seien mittel- und langfristig als selbstständig gesichert. Das habe der zuständige Beigeordnete Karl Weiß vor dem Kreistag versichert. Dieser sei dabei von der in Sachsen geplanten Verringerung der Höchstschülerzahlen in den Klassen ausgegangen. Das entsprechende Gesetz fehle aber noch.

Damit macht es sich der verantwortliche Redakteur -Journalistik ist ein Hochschulstudienfach- zu einfach. Wenn schon 58 Kreisräte, davon ettliche aus dem Pleissental, nicht in das Gesetz schauen, könnte man dies von Journalisten mit ihrem oft heren Anspruch m. E. schon erwarten: Bereits die Rößler'sche Verordnung weist für MITTELZENTREN (wie Werdau und Crimmitschau) selbständige Gymnasien als MINDESTANFORDERUNG aus (SächsGVBl. 2001, S. 672 ff. / SchulnetzVO), die entsprechende Tabelle befindet sich, vgl. oben, auf Seite 673 des SächsGVOBl. von 2001.

Zur Sicherung selbständiger Gymnasien in den Mittelzentren fehlt es nicht am entsprechenden Gesetz. Vielmehr hatte der Schulnetzplan vom 13.6.2002 das Gesetz nicht berücksichtigt. Soweit sollte sich ein Redakteur schon kundig machen. Wenn er das Sächsische Gesetz- und Verordnungs-Blatt nicht in seinem Laden hat, kann er in Werdau in die Stadt- und Kreisbibliothek wandern. Das ist keinen halben Kilometer von seinem Arbeitsplatz entfernt. Dort liegt das Gesetz. Ich habe es selbst festgestellt !

11. Dezember 2002


Keine drei Wochen merken...

...kann man in der Redaktion der hiesigen Lokalzeitung "Freie Presse". Während unter dem 30.11.02 hinsichtlich der im kommenden Kreistag anstehenden "Änderung der Schulnetzplanung" lang und breit von der Berücksichtigung einer möglicherweise künftig anstehenden Gesetzesänderung philpsophiert wurde, die bereits in weiser Voraussicht in den Schulnetzplan eingearbeitet würde, wird dies nun nach Anmahnung allein an dieser Stelle in einem unscheinbaren Satz ganz nebenbei richtiggestellt. Natürlich ohne Hinweis auf die Fehlinformation vom 30.11.02. So sei wenigstens hier der entscheidende Satz hervorgehoben: "Alle Ergänzungen zum Schulnetzplan sind auf der Grundlage des zuzeit noch gültigen sächsischen Schulgesetzes erarbeitet worden".

Auf die Frage, warum dies dann nicht am 13.6.02 gleich so beschlossen wurde, kam die Journalistin nicht.

Wie hier zwei Einträge weiter oben unter

VOLLTREFFER

bereits ausgeführt, verlangt bereits das Rößler'sche Gesetz, das "...zurzeit noch gültige sächsische Schulgesetz...", für Mittelzentren, wie Crimmitschau und Werdau, selbständige Gymnasien.

Warum die ausdrücklich total andere Darstellung innerhalb von weniger als drei Wochen den geneigten Lesern nicht erklärt wurde, bleibt hier unbekannt. Journalistengeheimnis ?

Der Autor fühlt sich jedenfalls im Hinblick auf das allein durch seinen Hinweis auf die geltende Gesetzeslage erreichte Änderung äußerst befriedigt. Was weder durch 58 Kreisräte, insbesondere auch Crimmitschauer Kreisräte (wie etwa Peter Zippel, den aber Crimmitschau wenig zu interessieren scheint), noch durch die SPD-Demonstration vor dem Verwaltungszentrum erreicht werden konnte, steht nun im Schulnetzplan: Weiterhin selbständige Gymnasien in Werdau wie in Crimmitschau.

Erreicht durch den Hinweis, doch bitteschön das Gesetz einzuhalten.

Jetzt ist es an der Leitung des Gymnasiums, zusammen mit dem Schulträger, an der Beseitigung der oben genannten Unzulänglichkeiten zu arbeiten. Nur eine leistungsfähige Stadt wird das Gymnasium auf Dauer sichern können. Tatenlosigkeit muß durch Tatendurst ersetzt werden. Das hiesige Gymnasium muß Schüler anziehen, derzeit lernen Crimmitschauer Schüler eher außerhalb als umgekehrt. Eine der vier Möglichkeiten einer "vertieften" Ausbildung muß schnellstens, als erster Schritt, angestrebt werden.

20. Dezember 2002


unbedingt ansehen !